Jeder kennt das: Diskussionen die man nicht führen möchte muss man gelegentlich dennoch führen. So auch am Abend einer Veranstaltung in der Gassmühle.
Seit dem Saisonbeginn 2026 haben wir den Schwerpunkt der Eintrittsgestaltung in der Gassmühle geändert, denn bei den meisten Veranstaltungen sammeln wir nun einen Eintritt von i.d.R. 20 Euro ein. Das haben wir nicht aus einer Laune heraus entschieden, sondern fundiert begründet. (Reminder: bisher haben wir den Eintritt als freiwillig bezeichnet und eine Empfehlung über die Höhe ausgesprochen, der Eintritt wurde in der Jaucheschöpfkelle am Ende des ersten Sets eingesammelt.) Die meisten unserer Gäste verstehen unsere Entscheidung und tragen sie auch mit. Zum verständnislosen Kopfschütteln regt mich indes mancher Gast an, der hier am Eingang zaudert oder gar die Veranstaltung von der Straße aus verfolgt. Stehend. Rauchend. Kippen verstreuend.
So auch zum Konzert einer Bluesband aus Leipzig, die nicht zum ersten mal in der Gassmühle spielte. Bereits vor dem Konzert standen 3 potenzielle Gäste vor der Gassmühle und harrten der Dinge, die da passieren. Kurz vor Konzertbeginn habe ich die Herren dann mal angesprochen, ob ich etwas für sie tun könne. "Wir überlegen noch" war die Antwort. Nach einem kurzen Schwatz habe ich wie immer die Band begrüßt und das Konzert begann. - unglaublich aber wahr - die Herren standen weiterhin vor der Gassmühle und im 30min später von mir geführten und nachfragenden Gespräch beklagte sich der eine, dass nicht so viele Gäste da seien, der andere, er könne sich 20 Euro Eintritt nicht leisten, eventuell 10, aber 20 nicht - und der dritte war nur der Verstärker des zweiten, der zudem auch die Qualität der Veranstaltung bemängelte.
Nun aber mal langsam... wenn einem da nicht das Messer in der Tasche aufgeht (sprichwörtlich gemeint!). Da stehen drei Herren, die rauchend das Konzert verfolgen und sich dann über die Qualität oder den aus ihrer Sicht mangelhaften Besucherstrom beklagen und für einen vollendeten Konzertgenuss ist ihnen der Eintritt zu teuer.
Und weil ich immer gern meine persönlichen Rechtfertigungen darstelle, liste ich auch hier mal auf, was alles dazu gehört, eine solche Veranstaltungsstätte zu schaffen, zu erhalten und mit Leben zu erfüllen. Und das besonders an die Menschen gerichtet, die die "Umsonst"- und Geizmentalität in ihrem Leben zum obersten Ziel gestellt haben.
Für die Veranstaltungen sind viele verschiedene und komplexe Tätigkeiten erforderlich:
Zunächst muss es einen Ort geben, an dem die Voraussetzungen für solche Veranstaltungen gegeben sind. Es muss eine Immobilie vorhanden sein, ein Ort mit einem Gebäude. In der Immobilie muss es einen Raum geben, Sanitäranlagen, gesicherte Wege und Außenanlagen, die gefahrlos betreten werden können. Dazu gehört eine großartige bauliche Planung, diverse Genehmigungsverfahren, Gutachten über Schallimmission und ähnliche einzuhaltende Vorschriften. Genügend Parkmöglichkeiten müssen vorhanden sein, es müssen weitere Toiletten vorhanden sein, für die Ausgabe von Speisen und Getränken muss eine entsprechende geregelte Umgebungsform existieren, die auch hygienischen Standards entspricht.
Für die Durchführung von Veranstaltungen sind ebenso einige Genehmigungen erforderlich: Anträge für die einzelnen Veranstaltungen, Versicherungen für Haftpflicht als Veranstalter, Versicherungen für Unfälle und Gebäude, Versicherungen und Steuern für sonstigen Grund und Boden, Anschaffungen für Sitzgelegenheiten, wie Tische und Stühle, die auch noch in das entsprechende Ambiente passen, Sonnenschirme, Verschattungen, Bepflanzungen, Absperrungen müssen geschaffen werden, die Wege und Flächen müssen stolperfrei begehbar sein und letztendlich gepflegt und ansehnlich wirken, das heißt: Rasen säen, gießen und mähen. Blumen für eine ansprechende Bepflanzung sind nicht selbstverständlich.
Es muss Kontakte zu Künstlern geben, sowie zu Veranstaltern, zur Presse, zum Radio, zum Fernsehen, Kontakte zu potenziellen Besuchern. Die Bekanntmachung der Veranstaltung ist ein Schlüsselprozess, der sehr viel Zeit erfordert und unabdingbar ist. Die grafische Gestaltung der Aushänge und Pressemitteilungen ist zeitaufwändig und erfordert Kenntnisse, Fähigkeiten, Hard- und Software und sehr viel Zeit.
Für die gastronomische Versorgung müssen Getränke eingekauft, gelagert, gekühlt, auf Mindesthaltbarkeitsdaten kontrolliert werden, die Kühlschranktemperaturen müssen regelmäßig kontrolliert werden, die Wasserzuleitungen müssen regelmäßig vom Gesundheitsamt geprüft werden, das Gesundheitsamt fordert auch regelmäßig bei Kontrollen Nachbesserungen für bestehende Anlagen, die Speisen müssen eingekauft werden, es muss überlegt und kalkuliert werden, prognostiziert und abgeschätzt, und natürlich letztendlich das Überzählige leider auch verworfen werden.
Für den Betrieb der Kühlung und Erwärmung von Speisen und Getränken sind nicht nur Energiekosten erforderlich, sondern auch Menschen, die sich der Sache annehmen und aufpassen, dass Würstchen nicht verbrennen, genügend Brötchen vorhanden sind, die, wenn sie aufgebacken werden, auch nicht verbrennen, für die Bepreisung der Produkte muss es Hinweistafeln geben, ein Wegleitsystem, Informationstafeln, die über das aktuelle Programm informieren, es muss ein Zelt geben, damit der Sonnen- und Regenschutz gewährleistet ist, und letzten Endes benötigt jeder Kulturbetrieb ein hohes Maß an Aufmerksamkeit und Vorausschau, damit während den Veranstaltungen niemand zu Schaden kommt.
Für das Zeigen von Kulturfilmen oder anderen künstlerischen Werken an der Leinwand benötigt man natürlich entsprechende Technik, die Kenntnis über die Funktionsweise dieser Technik, entsprechende Medien müssen geordert werden, die aufgeführt werden dürfen, dazu gehört auch, die entsprechende Lizenzierung und GEMA-Gebühren zu zahlen, es muss entsprechende Bühnen- und Akustiktechnik vorhanden sein, die unter fünfstelligen Beträgen kaum zu haben sind. Bedient werden muss diese Technik auch von Menschen, die der Technik mächtig sind und auch in der Lage sind, in speziellen Notsituationen immer eine Alternative zu schaffen. Tontechnik erfordert Kabel, Mikrofone, Lautsprecher, Verstärker, Mischpult, Vorkehrungen für plötzliche Wetterereignisse, die Bühne muss sauber sein, mit einem entsprechenden Bodenbelag ausgestattet sein, Beleuchtet durch entsprechende Scheinwerfer, die Bühne darf auch nicht einfach so umfallen, wenn es einen kleinen Wind gibt, sie muss also gesichert sein. Dass auf der Bühne Menschen stehen, die ihre Kunst präsentieren, erfordert auch Sicherheitsvorkehrungen, und natürlich benötigen wir auch Künstler, die ihre Werke aufführen. Diese Künstler treten in Kontakt mit Besuchern, um Ihnen ein unvergessliches Kulturerlebnis zu ermöglichen. Ziel ist es, Freude zu schaffen und den Besucher mit Wohlbefinden nach Hause zu schicken.
Schlussendlich müssen die Künstler begleitet werden und die Möglichkeit haben, sich in einem Backstage-Bereich zu entspannen, umzuziehen und frisch zu machen, versorgt zu werden, mit Speisen und Getränken, sich in einer Umgebung zu orientieren, die ihr Arbeitsplatz ist, aber ihnen doch vorher völlig fremd war.
Dann ist für 90 Minuten Genuss auch noch eine Gage für die Künstler fällig. Dass der Veranstalter dies nicht als Wohltäter für die Gesellschaft allein stemmt, versteht sich von selbst. Auch Veranstalter müssen von ihren Einnahmen leben können. Deshalb gibt es einen Eintritt.
Im Anschluss an die Veranstaltung müssen Stühle und Tische weggeräumt und die Kissen eingesammelt werden, Geschirr und Leergut sortieren und einsammeln, säubern und wegräumen gehört auch dazu. Es müssen Kippen vom Rasen aufgesammelt werden, Müll beseitigt, Mülleimer geleert werden, Geschirr muss gespült werden, es muss wieder eine Inventur erfolgen, damit der Materialeinsatz koordiniert werden kann, es muss der Innenraum gereinigt werden, Toiletten geputzt, Papierhandtücher müssen nachgefüllt werden und Toilettenpapier ebenso. Zerstörtes Geschirr muss ersetzt werden, die Backstage-Bereiche müssen geputzt und aufgeräumt werden, Wäsche abgezogen und die Betten neu bezogen werden, Bäder und Toiletten im Backstage-Bereich oder in der Übernachtungsmöglichkeit der Künstler gereinigt werden. Die Abrechnung jedes einzelnen Tages mit dem Finanzamt, der GEMA, der Künstlersozialkasse, anderen Lizenzgebern und Dienstleistern sowie den Künstlern muss hier nicht extra erwähnt werden.
Fazit: diese Liste ist keinesfalls vollständig. Es erfordert sehr viel Zeit, Engagement und Geld, um für die Besucher sichtbare Ergebnisse zu schaffen und weiter zu entwickeln, die für ihr Wohlbefinden wichtig sind. Wir (die Veranstalter und Künstler) tun das gern, wünschen uns aber entsprechende Wertschätzung.
Gesellschaft funktioniert nur dann gut, wenn jeder Mensch dem weitläufig praktizierten Egoismus ein gesellschaftliches Wohlwollen entgegensetzt.
ich war vor ein paar Wochen in Bad Schmiedeberg unterwegs und habe dieses Wahlplakat der AfD gesehen und fotografiert. Dass ich dazu nicht schweigen kann, liegt einerseits an dem Stil, mit dem man hier auf Stimmenfang geht und andererseits an der absolut falsch dargestellten Tatsache. Nun mal langsam.
Sozialstaat sichern, illegale Migration stoppen. Hier wird also völlig schamlos ein Thema mit einem anderen vermischt, ohne jeglichen Zusammenhang. Die AfD hat wohl offensichtlich keine anderen Lösungen, als einfach nur Migration zu stoppen. Traurig.
Zunächst muss man feststellen, dass illegale Migration überhaupt nichts, nein rein gar nichts mit Sozialstaat zu tun hat, jedenfalls nicht in der Weise, wie es hier dargestellt ist. Wer in Pflegeheimen ein- und ausgeht, kennt solche sozailromantischen Szenen nicht, bei denen eine Pflegebedürftige von einer Mitarbeiterin umarmt wird und beide lächeln. Das ist pure Verarschung. Und dann noch zu implizieren, dass diese Umarmung zu bekommen ist, wenn man "illagale Migration" stoppt, was auch immer das bedeuten mag, das setzt der Geschmacklosigkeit die Krone auf! Ein geframtes Foto, mit geframten Themen, lasst euch nicht veräppeln!
An der Stelle des Plakats steht nun ein Plakat: "Wir vertrauen der AfD". Na dann gute Nacht! Herzlich willkommen im Verlassensein.
Wissenschaftsfreiheit statt Bevormundung! Die AfD leugnet wissenschaftliche Erkenntnisse und schüchtert durch verbale Aggression ein. Auch hier gilt es, mal innezuhalten und die Argumente zu sortieren, statt sich auf die Trittbretter einer aggressiven Stimmung zu stellen und "kostenlos" mitzufahren. Das wird jedem zum Nachteil gereichen, wenn die Mitmenschlichkeit den Bach runter geht...
Lösungsorientierung statt Scheinproblematisierung! Wir sehen immer wieder, dass die AfD keine wirklichen Lösungsansätze bietet. Alles, worauf diese Partei setzt, ist Hass und Spaltung. Wir sollten uns von den Spaltern nicht länger zum Hass und zur Anstandslosigkeit animieren lassen. Mitmenschlichkeit, eine ordentliche Mitmenschlichkeit ist durch nichts zu ersetzen.
Zivilgesellschaft statt Zensur und Diktatur! Zur Bewältigung unserer Herausforderungen können wir nur gemeinsam beitragen. Einseitige Schuldzuweisungen sind unangebracht und fördern Hass und unkonstruktuven Streit.
Vielfalt statt Stille. Wir können nur mit den verschiedenen und vielfältigen Instrumenten zu einer gesunden Gesellschaft wachsen. Darum:
Wir wählen NICHT die AfD. Bitte wählt auch ihr demokratische und nicht rechtsextreme Parteien! Lasst euch nicht täuschen. Diese Menge an „gutgemeinten“ Änderungen kann niemand finanzieren. Wer wird also zahlen? Drei mal dürft ihr raten! Ihr wählt trotzdem die AfD? Dann richtet euch drauf ein, dass ihr wahrscheinlich verlieren werdet: eure Sozialleistungen, eure Dienstleistungen und deren Qualität, euer Geld, eure Renten. Ja, anders sind die "Steuererleichterungen" nicht zu finanzieren, lest bitte die einschlägigen Gutachten der Wirtschaftsforschung.
Wenn es denn aber kommt: Jammert dann bitte nicht! Ihr werdet die Blender, die euch den unendlichen Reichtum versprochen haben, dann nicht mehr so schnell los, denn sie werden aus Angst vor einem Rückschlag die Weichen stellen, dass sie sich in ihren Posten für immer einrichten können. Und ihre Familien auch.
Also. Wählt demokratisch!
Da ist nun ein von Spannung erwarteter Wahlausgang in Ungarn auf dem Tisch und eine Mischung aus Erleichterung und Freude, die der Angst folgt- es könnte ja beim status quo bleiben und die Rückwärtsgewandtheit und trennende Politik des alten Orban könnte den initiierten Demokratieabbau weiter stabilisieren. Gott sei Dank ist dieser Kelch an Ungarn und damit an der Europäischen Union vorbei gegangen.
Guten Morgen, nicht weil gerade einfach nur ein Tagesbeginn ist, sondern weil ein für Viele als schlechter Traum erlebter Zeitabschnitt endet. Aufwachen aus einem Traum- wer kennt das nicht?
Dabei schickte sich die Welt am rechten Rand wirklich ernsthaft an, den Populisten weiter zu fördern und gab ihm Schützenhilfe, die bei den selbstbewussten Ungarn natürlich nicht ins Leere lief, sondern - und das ist das schöne! - zu einer konsequenten Haltung führte, nämlich Ablehnung. Und das mit der nun gesehenen Macht, ein "Wahl-Wumms", wie es wohl selten zu sehen ist.
Was bedeutet das nun für uns? Europa kann wieder stärker sein, mit einer Sprache sprechen und sich nicht in viele Schnipsel mit egoistischen Selbstbehauptungsphantasien verhaspeln. Deutschland hat viele Gemeinsamkeiten mit Ungarn, besonders wenn ich an die Wende zu Ende der 80er Jahre denke. Ungarn war das erste Land, das den eisernen Vorhang einfach durchlässig machte, weil sie ihr eigenes Land in die Freiheit führen wollten und halfen damit uns Ostdeutschen, ebenfalls die Freiheit zu erlangen. Nur so konnte langfristig die Absurdität der Einzelstaaterei und Abschottung ein Ende gesetzt werden, das viele Ostdeutsche dummerweise heute wieder herbei sehnen. Auf der Suche nach diesen Bedürfnissen kommen mir viele Gedanken, die mich entweder anwidern, abschrecken oder mindestens verständnislos gucken lassen.
Vielleicht schaffen es die Sachsen-Anhalter auch, ein Zeichen zu setzen? Wir haben nur eine Wahl: entweder wir driften in die dunkelste Vergangenheit ab, die wir vielleicht auch schon vergessen haben, indem wir uns von den leuchtenden aber irrationalen und unerreichbaren Versprechen der Demagogen blenden lassen, oder wir mobilisieren nicht nur die Nichtwähler, sondern erreichen auch die verbitterten, die sich im gemeinschaftlichen Chor der Empörten engagieren und schaffen es, dass sie ihre Wahlentscheidung zugunsten der Demokratie ändern. DAS ist meine Hoffnung, denn die Schäden, die Demagogen anrichten, sind viel größer, als der Nutzen, den sie uns verprechen. Wir haben es oft gesehen, oft bedauert und manchmal auch wieder mit viel Anstrengunng korrigiert- weltweit. Aber sie wieder loszuwerden, könnte nicht nur mit viel Opfer verbunden sein, sondern manchmal auch unmöglich werden.
Noch ein guter Tipp: Demokratie- das Video von Bodo Wartke. Schaut es euch an- ist unterhaltsam und Vorsicht: es kann Wahrheit enthalten. Und vielleicht- ja vielleicht haben es die Ungarn gerade noch so geschafft, die Kurve zu kriegen. Ich freue mich darüber!
Wir haben es getan! Der in den Kinos gefloppte Film "Melania", der First Lady der USA, hatte weltweit bisher keine oder nur ganz ausgewählte positive Resonanz erzeugt. Man musste diese positiven Kritiken schon mit der Lupe suchen oder "suchen lassen", und wenn es so einen Film gibt, der von allen unisono als langweilig, zäh wie Leder und als übertriebene Selbstdarstellung bezeichnet wird, müssen wir ihn natürlich sehen! Nicht, weil wir besonders leidenswütig sind, sondern weil wir uns gern selbst ein Bild über das Produkt machen. Gesagt getan, Leinwand runter, Beamer an, Sound auf Kino und Anfang.
Der Anfang überzeugt vor allem mit dem Einspielen eines Rolling Stones Titels. In meinem Kopf tun sich sofort Fragezeichen auf. Rolling Stones und Trump? Was ist das denn! Gegensätzlicher können beide nicht sein, was sie eint, ist wahrscheinlich ein "kleines Vermögen". Aber ethisch-moralisch, so wie es mir in den bisher erlebten fünf Präsidentschaftsjahren des Donald Trump erschienen ist, passt mit Jagger und seiner Band einfach nicht übereinander! Der erste Widerspruch also.
Apropos, wieso eigentlich denn Donald Trump? Jeder gute Wille, "Melania" als ein Statement für Melania oder eine Hommage an die First Lady Melania zu sehen, scheitert, wenn man wirklich durchhält, den Film bis zum Ende zu sehen. Schon nach 15 Minuten ist man aus Mangel an Handlung oder Interessantem gewillt, die Toilette aufzusuchen. "Brauchst nicht Pause machen, man verpasst nichts" sagt meine mitschauende Frau Simone. Letztendlich ist es eine große Werbeaktion für Donald Trump und seinen Amtseinführungsfestakt mit allen Feierlichkeiten, mit jeder nur denkbaren Dekadenz und der schäbigsten Abgehobenheit schlechthin, die man je gesehen hat.
Wer nun eine Handlung des Films mit Dokumentationscharakter erwartet, muss sich gedulden, weil die Dokumentation scheinbar durch eine strenge Regieführung wie in einem Werbefilm gemanagt ist. Spontane Handlungen selten, ein wenig zaghaftes Lachen, ein wenig Faxen des persönlichen Modeberaters der First Lady, aber davon abgesehen machen alle ihren steifen Job, sind offensichtlich wenig schwingungsfähig. Die Security ist überall im Bild, mit ausdruckslosem Gesicht, Härte vermittelnd und Melania schreitet elegant und Stolz auf ihren durchgängig getragenen Highheels durch die Massen ihrer Bewacher.
Melania ist ständig beschäftigt, die edelsten Dinge auszusuchen, für die große Feier zu planen (Farben, Geschirr, Gläser, goldene Eier...), Kleider und Hüte zu probieren, die ihr persönlicher Modeschöpfer an ihr ausprobiert. Sie ist stets "very amazing", entzückt und voll des "hinnehmenden Stolzes" (ich kann ja auch nichts dafür dass ich so reich bin und mit dem mächtigsten Mann der Welt verheiratet bin...), der immer wieder durch die Linse ins Wohnzimmerfenster oder in den Kinosessel gedrückt wird.
Nun, sehen wir mal ab von diesem Prunk und dieser Dekadenz, was hat eine First Lady zu tun? Sie ist schließlich nicht gewählt vom Volk, sondern die Frau des Gewählten. Offensichtlich ist es in den USA schicksalhaft, dass die First Lady definitiv nicht unbeteiligt sein kann. Sie muss sich wohltätigen Zwecken widmen, und das kommt auch im Film zum Tragen, indem sie in einer vielleicht 3 Minuten langen Szene erklärt, dass die USA bessere Kinderbildung brauchen und sie sich darum kümmern muss, was sie auch durch Initiativen und Schulbesuche mehrfach demonstriert hat. Wie früchtetragend diese Initiativen für Benachteiligte sind, ist nicht bekannt. Mir gehen bei hren Worten sofort Bilder aus Gaza, Libanon und Iran durch den Kopf, oder Minneapolis. Das eigene Volk, traditionell ein Migrationsvolk aus vielen verschiedenen Nationen, wird dezimiert durch Ausweisung und Inhaftierung. Kinder werden von ihren Eltern getrennt, wehrlose Bürger erschossen und was tut sie als First Lady? Sicher, der Film spielt in 2025. Aber konsequenterweise müsste sie heute aus dem Weißen Haus ausziehen und sagen: "das kann nicht wahr sein!" Nein, sie hängt am Tropf des Donald Trump, der ihr ein annehmbares Leben verschafft, mit dem sie genüsslich durch die Welt zieht und sich um die Protzkulisse kümmert.
Wer würde nicht gerne von goldenen Tellerchen essen und mit zwei Bewachern an der Seite durch vergoldete Türen schreiten bzw. schweben? Es wirkt wie in einem Märchen, dass vor langer Zeit spielt und der Realität völlig entrückt ist. Melanias Outfits auch zu alltäglichen Begebenheiten wirken wie der Dresscode für Hochzeiten oder streng sachliche Anlässe. Da weiß man, wo ihre Akzente sitzen und worauf sie in ihrem gegenwärtigen Leben Wert legt (oder vielleicht auch Wert zu legen hat). Ihre Herkunft aus Slowenien scheint sie nicht vergessen zu haben. Immerhin erwähnt sie gelegentlich ihre Verwandtschaft, aber nur als Spiegel ihrer eigenen Leistungen, wenn man das überhaupt als ihre Leistung bezeichnen kann. Aber abgesehen von einem slowenischen Akzent erinnert in diesem Film kaum etwas an die Immigrantin Melania.
Wenn ich dann sehe, dass die Produktionsfirma, die diesen Film durchaus professionell erstellt hat, Melania Trump gehört, wird einiges klar. Das kostenlose Streamen über Amazon Prime ist wahrscheinlich Jeff Bezos zuzurechnen, der auch ständig an Trumps Seite deniert oder einfach nur billig anwesend lächelt. Melania war zuständig fürs Familienalbum und hat diesen Film gedreht. Donald hat sie unterstützt, um seine narzisstische Persönlichkeit noch besser ins Licht zu stellen. Mit Fortschreiten des überlangen Films, der sich tatsächlich wie Kaugummi hinzieht und zum Gähnen anregt, wird immer deutlicher, dass es um Donald Trump geht. Es geht nicht um Melania als First Lady, sondern immer häufiger steht Donald Trump im Rampenlicht vor der Kamera und Melania wird sogar unscharf dargestellt. Was für eine filmische Glanzleistung, die dem perfiden Ziel dieser machtbesessenen superreichen Menschen Rechnung trägt.
Der Abspann zeigt die Musiktitel, überwiegend Rockklassiker der 80er aus den USA, England, aber auch Titel von Frankreich, Deutschland und sogar zwei barocke Werke aus der Feder von Bach. Ich frage mich beim Lesen dieser Verwendungsnotizen immer, was die Urheber wohl davon halten, dass ihre Musik für solche Werke genutzt werden. Zumindest von Bach könnte man mutmaßen, dass er sich im Grabe umdrehen würde, wenn er wüsste, dass seine wertvollen kulturellen Werke wie das "Air" einer Kriegsherrenfamilie, die kein Völkerrecht kennt (und vom Menschenrecht ganz zu schweigen) genutzt werden, um dieses maßlose Lebensdasein zu bewerben.
Mein Fazit: Ansehen! Der Film ist ein super-schlechtes Beispiel dafür, wie man Dokumentationen nicht macht. Aber Eintritts-Geld würde ich in diesem Fall dafür nicht ausgeben.
Wir haben uns nicht überlegt, wie wir mit einem unglaublichen Rekord in das Guinnessbuch der Rekorde kommen. Aber, wann, das ist schon eine interessante Frage.
Der Anlass war simpel, aber rekordverdächtig: Ein Kulturfilmabend mit einer britisch-irischen Filmkomödie aus dem Jahr 1998 "Lang lebe Ned Devine!", in der ein kleines irisches Dorf das Weiterleben eines verstorbenen Lottogewinners vortäuscht, um den Gewinn nicht verfallen zu lassen. Wir organisierten diesen Filmabend bereits 2 mal in den vergangenen Jahren rund um den St. Patricks-Day, dem Tag des irischen Schutzheiligen, der weltweit von Iren und ihren Sympathisanten gefeiert und zelebriert wird. Und wie wäre das besser zelebriert, als mit Humor und netter Gesellschaft? Also.
Schon im vergangenen Jahr haben wir die Lottozahlen, die bereits bei der am Filmanfang während der Ziehung ermittelt werden, aufgeschrieben und für jeden angemeldeten Gast einen Lottoschein gekauft, den wir ihm dann zu Beginn der Vorführung geschenkt hatten. Schon 2025 dachten wir: "Was, wenn das jetzt ein fetter Gewinn ist und jeder Beschenkte eine stattliche Summe erhält...?!". Es wäre zweifelsohne zu einem bemerkenswerten Eintrag ins Guinnessbuch der Rekorde gekommen.
Nun hatte 2025 eine Besucherin während der Filmvorführung gestaunt, dass die im Film gezogenen Zahlen mit denen auf ihrem Lottoschein übereinstimmten (wir hatten die Herkunft der Zahlen nicht verraten, jeder hatte die gleichen Zahlen). Allerdings war das Ziehungsergebnis am darauffolgenden Samstag nicht so erfolgreich, wie im Film und damit gingen alle Besucher und auch wir natürlich leer aus. Realitätsnah, wie wir immer leben, haben wir auch nicht an einen Gewinn geglaubt. Nicht wirklich jedenfalls. Wir sind auf Wunder und Besonderheiten nicht vorbereitet, denn meistens müssen wir mit den bescheidenen Mitteln weiterarbeiten, wie vorher. Aber diese Einstellung änderte sich im Jahr 2026, als es wieder hieß: "Lang lebe Ned Devine!" beim Kulturfilmabend in der Gassmühle.
Alles lief wie immer: die überschaubare Zahl an Gästen nahm ihre Plätze ein, beim Begrüßungsvortrag bekam jeder Angemeldete seinen Lottoschein überreicht und die Vorfühurung begann. Am Ende des Films applaudierte das Publikum- ein seltenes aber zeugnisgebendes Phänomen. Allen war nicht nur bei den Lachsalven während des Films anzumerken, dass der irische Humor mit seiner Selbstironie, dem spitzen Witz und den vielen tragikomischen Situationen auch bei uns hervorragend ankommt. Anschließend noch ein paar Plaudereien, ein kleines Guinness und es ging mit positivem Affekt in die heimatlichen Gefilde.
Soweit, so gut.
Während des Konzerts am Folgetag- die Band Kimkoi aus Mühlhausen war bei uns und die Ziehung der Lottozahlen war schon erledigt. Meine Cousine Diana war extra aus Mühlhausen angereist, um die heimatliche Band mal live zu hören, hier mit ihrem Liedertourabschluss und einer während der Tour 19 mal geprobten Performance. Diana betreibt in Mühlhausen eine kleine Kulturstätte- das 3K. Sie ist also vom Fach. Im 2. Set, also nach der Pause kam ihr Mann Ralf zu dem glorreichen Einfall, mal die Lottozahlen zu checken.
Nun ja und was soll ich sagen- für einen Eintrag im großen Buch der Rekorde reicht es zwar sicher nicht, aber es war schon erstaunlich! 3 Richtige zierten den Lottoschein, und also offensichtlich auch die 8 anderen, denn dort waren ja die selben Zahlen drauf. Der gute alte Ned Devine- was der alles so bewerkstelligt! Ist das nicht komisch?
Viel Glück!
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Das Bild von der grün gefärbten Telefonzelle stammt aus der Sammlung des Geograph-Projekts. Die Kontaktdaten des Fotografen finden Sie auf der Seite dieses Fotos auf der Geograph-Website. Das Urheberrecht an diesem Bild liegt bei Joseph Mischyshyn und es ist unter der Creative Commons Attribution-ShareAlike 2.0 Lizenz zur Wiederverwendung freigegeben. Die Telefonzelle spielt eine nicht unwesentliche Rolle in dem Film. TS

