Guten Morgen, UngarnDa ist nun ein von Spannung erwarteter Wahlausgang in Ungarn auf dem Tisch und eine Mischung aus Erleichterung und Freude, die der Angst folgt- es könnte ja beim status quo bleiben und die Rückwärtsgewandtheit und trennende Politik des alten Orban könnte den initiierten Demokratieabbau weiter stabilisieren. Gott sei Dank ist dieser Kelch an Ungarn und damit an der Europäischen Union vorbei gegangen. 

Guten Morgen, nicht weil gerade einfach nur ein Tagesbeginn ist, sondern weil ein für Viele als schlechter Traum erlebter Zeitabschnitt endet. Aufwachen aus einem Traum- wer kennt das nicht?

Dabei schickte sich die Welt am rechten Rand wirklich ernsthaft an, den Populisten weiter zu fördern und gab ihm Schützenhilfe, die bei den selbstbewussten Ungarn natürlich nicht ins Leere lief, sondern - und das ist das schöne! - zu einer konsequenten Haltung führte, nämlich Ablehnung. Und das mit der nun gesehenen Macht, ein "Wahl-Wumms", wie es wohl selten zu sehen ist.

Was bedeutet das nun für uns? Europa kann wieder stärker sein, mit einer Sprache sprechen und sich nicht in viele Schnipsel mit egoistischen Selbstbehauptungsphantasien verhaspeln. Deutschland hat viele Gemeinsamkeiten mit Ungarn, besonders wenn ich an die Wende zu Ende der 80er Jahre denke. Ungarn war das erste Land, das den eisernen Vorhang einfach durchlässig machte, weil sie ihr eigenes Land in die Freiheit führen wollten und halfen damit uns Ostdeutschen, ebenfalls die Freiheit zu erlangen. Nur so konnte langfristig die Absurdität der Einzelstaaterei und Abschottung ein Ende gesetzt werden, das viele Ostdeutsche dummerweise heute wieder herbei sehnen. Auf der Suche nach diesen Bedürfnissen kommen mir viele Gedanken, die mich entweder anwidern, abschrecken oder mindestens verständnislos gucken lassen.

Vielleicht schaffen es die Sachsen-Anhalter auch, ein Zeichen zu setzen? Wir haben nur eine Wahl: entweder wir driften in die dunkelste Vergangenheit ab, die wir vielleicht auch schon vergessen haben, indem wir uns von den leuchtenden aber irrationalen und unerreichbaren Versprechen der Demagogen blenden lassen, oder wir mobilisieren nicht nur die Nichtwähler, sondern erreichen auch die verbitterten, die sich im gemeinschaftlichen Chor der Empörten engagieren und schaffen es, dass sie ihre Wahlentscheidung zugunsten der Demokratie ändern. DAS ist meine Hoffnung, denn die Schäden, die Demagogen anrichten, sind viel größer, als der Nutzen, den sie uns verprechen. Wir haben es oft gesehen, oft bedauert und manchmal auch wieder mit viel Anstrengunng korrigiert- weltweit. Aber sie wieder loszuwerden, könnte nicht nur mit viel Opfer verbunden sein, sondern manchmal auch unmöglich werden.

Noch ein guter Tipp: Demokratie- das Video von Bodo Wartke. Schaut es euch an- ist unterhaltsam und Vorsicht: es kann Wahrheit enthalten. Und vielleicht- ja vielleicht haben es die Ungarn gerade noch so geschafft, die Kurve zu kriegen. Ich freue mich darüber!