SlideridersAbsage Ihr habt es ja schon im Broadcast und auf der Webseite gesehen. Die Slide Riders haben das Konzert für morgen abgesagt. Der Grund liegt auf der Hand: es gab keine Sicherheit, dass wenigstens die Fahrtkosten für die beiden Berliner Künstler "reinkommen". Und da kommt nun der Schlips ins Rad. 

Die Künstler sind Menschen, die einem Beruf nachgehen, manchmal einem sehr schönen, einige Künstler arbeiten nebenberuflich und verdienen sich so ihren Lebensunterhalt, weil es mit der Kunst nicht ausreicht. Wir haben in über 7 Jahren Veranstaltertätigkeit so einige Geschichten gehört, die uns staunen ließen, manchmal haben wir auch den Kopf geschüttelt über Rahmenbedingungen, Gratwanderungen und Ärger mit allerlei Zeitgenossen. Meistens aber überwiegt vor allem die Hochachtung für diese Form des Berufsdaseins jegliche Einschätzung unsererseits. Und das ist auch der Grund, weshalb ich dies hier notiere. 

Man stelle sich vor, wie viel Zeit vonnöten ist, ein Instrument zu lernen (oder die eigene Stimme zu schulen). Hinzu kommt, dass diese Form der Unterhaltung meistens nicht allein passiert. Also muss der Musiker auch in der Lage sein, mit anderen Musikern gemeinsame Sache zu machen. Was im Musikalischen selbstverständlich ist, hält oft auch als Metapher für andere Berufszweige her. "Wenn der Drumer zu spät kommt, kann die ganze Band nicht spielen" habe ich oft bei zu spät begonnenen Teamsitzungen gehört, die Musik ist eben ein für jeden verständliches Beispiel. 

Dann hat ein Musiker ja nicht nur ein Berufsleben, er hat manchmal auch ein Privatleben. Gut, wenn er dies mit einer Kolleg:in in Einklang bringen kann, aber das ist in den seltensten Fällen so. Also reist der Musiker wie ein Handelsvertreter von einer Stadt in die andere und zurück, bei Tourneen ist das auch länger der Fall und das Privatleben wird auf jeden Fall immer auf die Probe gestellt. Mit einem Angestelltendasein oder der geregelten Homeoffice-Situation nicht zu vergleichen! Sie machen sich auf, um das, was sie gelernt haben, zu präsentieren, Stimmungen zu erzeugen, gesellschaftlichen Austausch zu schaffen und mit anderen Menschein in Kontakt zu treten. Freude und Situationen mit Erinnerungswert erzeugen. Das gehört wertgeschätzt! 

Nun ja. Was soll das alles? Natürlich machen wir uns Gedanken darüber, wie diese Zusammenhänge in die heutige Zeit passen. Wir haben schon sehr viele Gespräche geführt über die Umstellung des "freiwilligen Eintritts" auf "Eintritt" und dann auch noch mit "Buchung über einen Ticketdienstleister". Manche sagen uns, dass sie mit dem System nicht zurecht kommen. Manche meinen auch, dass sie sich nicht so langfristig festlegen können (oder wollen).  Das kann ich alles verstehen, 

Ich lade zum Perspektivwechsel ein: Der Aufwand für den Musiker (nicht schon wieder) im Verhältnis zu der Frage, ob ich am Samstag zu einem Konzert gehe und mich dafür wenigstens 2 Tage vorher entscheide... oder der Aufwand, das Konzert mit allen Vorbereitungen von Künstlerplanung, Gema-Anmeldung, Werbung, Raumvorbereitungen und Heizen, Getränke- und Speiseneinkauf und -Zubereitung... nein es ist müßig. 

Wir haben nun entschieden, dass wir alle Künstler 2 Tage vor Beginn des Konzerts anfragen, ob sie auch bei wenigen gebuchten Karten bereit sind, hier ein Konzert zu geben und auf die Abendkasse zu hoffen. Entschieden wird dann von den Künstlern selbst 1 Tag vorher. Ich denke das ist ein Minimum an Fairness, das man den Künstlern und Veranstaltern entgegen bringen kann. 

Wir hoffen auf euer Verständnis.